Geschichte & Tradition

Brauchtum

Grafenpaar, Häs und Bräuche der Rechberghäuser Fasnet

Das Grafenpaar

Graf Haug Erkinger und Gräfin Susanne von Welden – so nennt sich das Grafenpaar der Narrenzunft Furchenrutscher Rechberghausen. Die beiden Titel sind dabei keine Willkür: Graf Haug Erkinger und seine Gemahlin Susanne von Welden sind historische Figuren, die in den Rechberghäuser Ortschroniken überliefert sind.

Das Grafenpaar wird jeweils für eine Saison neu ernannt. Die feierliche Bekanntgabe erfolgt vor den Vereinsmitgliedern und der Öffentlichkeit bei der Prunksitzung am Samstag nach dem 11. November. Von diesem Moment an repräsentiert das Grafenpaar die Zunft bei Umzügen, Veranstaltungen und übernimmt beim Rathaussturm symbolisch den Schlüssel der Gemeinde. Die Amtszeit endet offiziell an Aschermittwoch – mit einem letzten besonderen Akt an bei der darauffolgenden Prunksitzung: Das scheidende Grafenpaar überreicht dem neuen Grafenpaar den Saisonorden und gibt damit die Würde der Zunft weiter.

Ihr Häs orientiert sich an der höfischen Tracht des Spätmittelalters. Der Graf trägt ein samtenes Wams in Dunkelgrün mit goldenen Verzierungen, weiße Kniebundhosen und einen breiten Hut. Die Gräfin erscheint in einem bodenlangen Samtkleid in tiefem Violett, ebenfalls mit goldenen Verzierungen und einem kunstvollen Haarschmuck – würdevoll und dem gräflichen Stand entsprechend.

Zeichnung des Grafenpaars
AmtszeitGrafenpaar
Saison 25 / 26 Michael Abele & Pia Träuble
Saison 24 / 25 Mathias Trevisan & Antonia Trevisan
Saison 23 / 24 Matthias Götz & Anna-Lena Buchmann
Saison 22 / 23 Heiko Thudium & Julia Rees
Saison 19 / 20 Daniel Kriegisch & Meike Weber-Kriegisch
Saison 18 / 19 Reinhard Kirchner & Annemarie Kirchner
Saison 17 / 18 Julian Weber & Gitta Weber
Saison 16 / 17 Dejan Rakic & Barbara Rakic
Saison 15 / 16 Stefan Stadelmayer & Katrin Wagenblast
Saison 14 / 15 Yannic Feyl & Jessica Matschi
Foto des Grafenpaars
Michael Abele & Pia Träuble

Brauchtumsfiguren

Furchenrutscher
Häs

Furchenrutscher

Rechberghausen zählte über Jahrhunderte zu den ärmeren Gemeinden der Region. Zwischen dem 16. und 19. Jahrhundert bestand die Bevölkerung zumeist aus Taglöhnern, die sich nur in bescheidenem Umfang landwirtschaftlich betätigen konnten. Wer nach der Ernte nichts hatte, suchte in den abgeernteten Feldern nach dem, was die Landherren zurückgelassen hatten: Kriechend durch die Ackerfurchen sammelten die Ärmsten essbare Reste auf, um sich und ihre Familien über den Winter zu bringen. Aus dieser Not heraus entstand der Spitzname „Furchenrutscher" – ein Begriff, der die Rechberghäuser Bevölkerung seither begleitet und der Narrenzunft bis heute ihren Namen gibt.

Der Furchenrutscher trägt einen, mit vorwiegend braun gemusterten Stoffresten geflickten blauen Bauernkittel mit dazugehöriger schwarz ausgebeulter Hose. Er trägt ein derbes Schuhwerk. Die hölzerne Halbmaske mit tiefen Gesichtsfurchen wird von halblangen brau­nen Haaren und einer Schildmütze geziert. Ein Lumpensack oder eine Lumpentasche, der Knotenstock, schwarze Handschuhe sowie Rechen und Dreschschlegel sind seine weiteren Utensilien.

GremiumRainer Roßmeißl
Torhopfer
Häs

Torhopfer

Rechberghausen war schon im frühen Mittelalter kein einfaches Dorf – die Gemeinde bestand aus mehreren Siedlungsteilen und war in ein Dorf und ein Städtchen gegliedert. Das Städtchen schützte sich durch seine Hanglage zum See, und wer von einer anderen Seite näherkam, musste drei Tore und einen Stadtgraben passieren. Eines dieser Tore steht noch heute. Das obere Tor hat die Jahrhunderte überdauert und wird heute durch den Torhopfer symbolisiert. Es stammt aus dem 14. Jahrhundert und ist damit das letzte erhaltene Stadttor im Landkreis Göppingen.

Sein Häs wird beherrscht durch das Fachwerk des oberen Tores, welches in Ocker auf einen hellbeigen Grund aufgenäht ist. Das Gesicht ist freundlich verschmitzt, seinen Stock ziert eine oder mehrere Saublodern. Die Maskenhaube mit ihren roten Ziegeln ergibt sich aus dem Dach, die Mütze ist eine alte Bauernkappe mit Bommel. Am Schultergurt über Brust und Rücken trägt er vierzehn Schellen, die beim rhythmischen Springen im Takt erklingen.

GremiumBarbara Rakic
Dorfhexe
Häs

Dorfhexe

Wer die Geschichte Rechberghausens kennt, weiß: Sie hat auch dunkle Kapitel. Die Ortschroniken berichten, dass im Jahr 1598 eine Frau der Hexerei bezichtigt und zum Tode verurteilt wurde. Obwohl der Gemeinde Rechberghausen das Hochgericht zustand, vollstreckte Graf Haug Erkinger das Todesurteil nicht vor Ort – die Hexenverbrennung fand im nahegelegenen Donzdorf statt. Diese unheimliche Episode hat sich tief ins kollektive Gedächtnis der Region eingebrannt. An sie erinnert die Dorfhexe, deren Häs sich an den Farben des Ortswappens orientiert.

Die spitzenbesetzten Unterhosen sind weiß, die Strümpfe weiß/grün geringelt. Der rote Rock hat die Farbe des Rehbocks, das grüne Kopftuch ist die zweite Hauptfarbe nach weiß im Ortswappen. Die schwarze Bluse ist ein gewollter Kontrast. Die Gestaltung der Schürze ist farbenfroh und wechselhaft. Mit dem Hexenbesen fahren die Hexen unter die Zuschauer.

GremiumJan Terzioglu · Mathias Trevisan · Simone Bosch · Veysel Tobac
Ihim
Schlossgespenst

Ihim

Im neuen Schloss – dem Rechberghäuser Rathaus – geht es nicht immer mit rechten Dingen zu. Ihim, das Schlossgespenst, treibt dort seit jeher sein Unwesen. Das ganze Jahr über bleibt es eingesperrt, doch wenn die Narren das Rathaus stürmen, erwacht Ihim zum Leben – und nutzt die Gelegenheit, dem Gemeinderat und der Bürgermeisterin unverblümt die närrischen Leviten zu lesen.

Er ist in ein weißes Gewand gehüllt, das von schwarzen Bändern mit silbernen Flicken geziert wird. Graue Haare und ein weißes Gesicht werden von einem schwarzen Zylinder abgerundet. Er trägt einen großen Schlüsselbund und eine Pergamentrolle mit sich.

Bräuche

Das Furchen­rutscherlied

1. Strophe

Am elfta elfta isch so weit,
bei ons do gohts jetzt rond.
Ma feirt em Rota Ochsa,
so manche schöne Stond.
- Refrain -

2. Strophe

An jedem schmotzga Doschtig,
ergreifat mir die Macht.
Ond mit nem großa Schlüssel,
wird Rothaustür ufg'macht.
- Refrain -

3. Strophe

D'r Schultes mit seim Gmoidsrot
kommt vor a Narragricht.
Will oiner sich do drucka,
wird er erscht recht verwischt.
- Refrain -

4. Strophe

Ond isch's no Fasnetsdienstag,
do ganget mir auf d'Stroß.
Do geits bei ons en Umzug,
ja der isch rießagroß.
- Refrain-

5. Strophe

So schnell isch Aschermittwoch,
ond Fasnet isch vorbei.
No dürfet mir a ganzes Johr,
nemme narred sei.
- Refrain -

Refrain:

Hausa mach nora, schlof et ei.
Hausa mach nora, laß d'Fasnet rei.
Juhe, juhe, dia Ronzla dia send scheh,
juhe, juhe, die Ronzla dia send scheh.